Der übersehene Mann von Christina McKenna

Hörbuch „Der übersehene Mann“ von Christina McKenna 

Zwei Kinder werden vor der Tür eines Waisenhauses in Zeitungspapier gehüllt abgelegt. Das Mädchen wird kurze Zeit später adoptiert, der Junge bleibt die ersten 10 Jahre seines Lebens in dem Waisenhaus. Liebe erfährt er dort keine, dafür umso mehr Schläge, Bestrafungen und Missbrauch. Sein Martyrium endet erst, als er adoptiert wird. Die Erinnerungen an damals lassen ihn jedoch nie los und er leidet selbst mit 41 Jahre noch unter Albträumen und Depressionen.

Nachdem seine Adoptiveltern gestorben sind, wird die Einsamkeit noch schlimmer. Seine Freunde überreden ihn zu einer Kontaktanzeige, er soll so eine Frau kennen lernen und der Einsamkeit entgehen. Er lernt Lydia kennen, eine 40-jährige Lehrerin. Diese lebt nach dem Tod ihres Vaters mit ihrer Mutter alleine und pflegt sie. Nach dem plötzlichen Tod der Mutter erfährt Lydia Dinge aus ihrer Vergangenheit die sie schockieren und wütend machen.

Die Geschichte von Jamie und Lydia wird sehr berührend erzählt. Es geht immer wieder in die Vergangenheit Jamies zurück, was er alles ertragen musste, wie schlimm es in dem Waisenheim war und wie kaputt seine kleine Kinderseele gemacht wurde. Der Hörer erfährt über das Leben von Lydia, ihrer Kindheit mit dem streng katholischen Vater und der fordernden Mutter. Wie es Jamie nach dem Tod seiner Adoptiveltern ergeht, wie sehr ihm seine Freunde helfen aus der Depression heraus zu kommen. Der Sprecher Gilles Karolyi liest dieses Buch und seine Stimme hat mir sehr gut gefallen.

Nach dem Ende des Hörbuches wird darauf hingewiesen das die Geschichte fiktiv ist, das die geschilderten Zustände aus dem Waisenhaus auf realen Situationen basieren. Die Behandlungen der Kinder, ihre Erniedrigungen und Bestrafungen stimmen mit vielen Berichten und Erzählungen überein, die solche Institutionen überlebt haben. Solche Einrichtungen, die Industrial Schools, Waisenheime und Magdalenen Wäschereien wurden fast ein ganzes Jahrhundert lang von bestimmten Orden in Irland unterhalten. Von diesen Institutionen, die eigentlich nichts anderes als Orte der Sklavenarbeit waren, hat die römisch katholische Kirche großen Profit gezogen, auf Kosten verwaister Kinder oder von Kindern die ihren alleinlebenden Müttern gewaltsam entzogen worden waren. Die Grausamkeit und die Unmenschlichkeit dieser Zustände kam erst zu Beginn der 1990er Jahre ans Licht.  Die letzte derartige Institution wurde 1996 geschlossen.  (Zitat aus „Der übersehene Mann“)

Ich kann euch dieses Buch sehr empfehlen. Christina McKenna schafft es, ihre Leser zu fesseln und die Charaktere wundervoll zu beschreiben. Das nächste Buch von ihr „Die enttäuschte Witwe“ steht schon auf meiner Wunschliste

 

 

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