Strandgut von Benjamin Cors

Vor einigen Wochen habe ich auf Sanne´s  Blog Wortgestalten eine Rezension über das neue Buch von Benjamin Cors Gezeitenspiel gelesen. Mich hat die Geschichte sofort fasziniert, jedoch wollte ich lieber mit dem ersten Teil der Geschichte rund um Personenschützer Nicolas Guerlain beginnen und habe mir deshalb das erste Buch „Strandgut“ gekauft.

Strandgut ist ein Debütroman von Benjamin Cors, der viele Jahre als politischer Fernsehjournalist für die ARD Tagesschau, die ARD Tagesthemen und den Weltspiegel berichtete. Heute arbeitet er für den SWR. Die weiteren Romane rund um Nicolas Guerlain sind „Küstenstrich“ und „Gezeitenspiel„.

Für mich ist es das erste Buch, was in Frankreich spielt. Anfangs habe ich mich mit den Namen der Protagonisten und auch mit der verschiedenen Ortsnamen sehr schwer getan. Hin und wieder musste ich zurückblättern und Passagen erneut lesen. Der Schreibstil von Benjamin Cors ist sehr detailgetreu, er beschreibt Orte und Begegnungen sehr konkret. Wenn er z.B. über Kaffee oder Croissants schreibt, habe ich das Gefühl Kaffee und Croissants zu riechen. Mir hat das sehr gut gefallen. Man merkt beim Lesen, das der Autor als Deutsch-Franzose aufgewachsen ist und dieses Land sehr liebt. Die Schauplätze wurden sehr genau beschrieben, das Flair kommt beim Lesen sehr gut rüber und auch wenn ich bisher wenig Interesse an Frankreich hatte, Benjamin Cors hat mich neugierig gemacht.

Es werden immer wieder die Schauplätze gewechselt, als Leser wird man immer wieder auf eine falsche Fährte geführt und dadurch fand ich die Geschichte unglaublich rasant.

Zum Inhalt:

Das Buch beginnt mit einem Rückblick auf das Jahr 1967. Der Croupier Antoine Bazin wird Zeuge einer Misshandlung und erkennt dabei einen Gast des Casinos wieder. Kurze Zeit später wird er erschlagen.

Fast 50 Jahre später fällt der Fotograf Jean Carasso während der Fotoaufnahmen, die er für ein Pariser Label machen soll, von Bord der Hirondelle de la Mer, dem Boot seines Freundes Andre Dumarc. Nur seine Leiche wird nie gefunden…

Fast zeitgleich verletzt der Personenschützer Nicolas Guerlain bei einem öffentlichen Auftritt in Cannes die Person, die er eigentlich schützen soll: den Minister Francois Faure. Nach diesem Vorfall wird Nicolas in seinen Heimatort Deauville, wo ein internationaler Gipfel stattfinden soll, versetzt. Nicolas soll der dortigen Polizei mit seinem Wissen über die Sicherheitsvorkehrungen zur Seite stehen. Niemand ist darüber begeistert. Vor allen Dingen nicht, nachdem Nicolas kurz nach seiner Ankunft eine Hand am Strand findet, zeitgleich verschwindet aus einem Hotel ein Gast und es wird eine Leiche gefunden, die jedoch nicht Jean Carasso ist. Und das passiert alles kurz vor dem wichtigen Gipfel, wo die Welt auf Deauville schaut. Nicolas bekommt die Praktikantin Claire zur Seite gestellt. Diese ist nicht nur lebhaft, sie ist auch erfrischend respektlos. Die beiden beginnen nun mit ihrer Suche nach der Wahrheit.

Für Nicolas ist es auch eine Reise in die Vergangenheit. In Deauville lebt noch seine recht anstrengende Mutter, die eine Nobelboutique in einem Luxushotel betreibt und sehr viel Wert auf ihr Ansehen legt.  Nicolas sucht immer noch nach seiner vor drei Jahren verschwundenen Lebensgefährtin Julie. Immer wieder scheint er ihr zu begegnen oder ist es nur eine Wunschvorstellung? Warum verschwand sie so plötzlich? Auch diese Frage lässt ihn nicht los.

Hängt etwa alles mit den Vorfällen von vor 50 Jahren zusammen? Hat die Vergangenheit mit der Gegenwart zu tun?

 

Fazit:

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, ich freue mich schon auf den zweiten Teil und bin gespannt, wie es mit Nicolas weiter geht. Der Schreibstil von Benjamin Cors ist für mich vollkommenes Neuland und ich habe das Buch nicht „einfach so“ in einem Rutsch lesen können. Das lag auch an den vielen (für mich) fremden Namen und Ortsnamen. Vielleicht mache ich mir beim nächsten Buch einen kleinen Spickzettel….. 🙂

Von der ersten Seite an hat mich die Geschichte fasziniert, jedoch erst am Schluss wird dem Leser klar, wie die Vergangenheit und die Gegenwart zusammen hängen. Ich hätte mit diesem Verlauf der Geschichte nicht gerechnet und kaum hatte man sich von der Enthüllung erholt, wird die Spannung noch einmal erhöht, indem minutiös über den Gipfel berichtet wird. Ständig wartet man darauf, das etwas passiert. Ich muss gestehen, das ich traurig war als ich nur noch ein paar Seiten zu lesen hatte, andererseits wurde ich immer schneller beim Lesen, um zu erfahren was denn nun noch passiert.